Facilitation ist Haltung.
Facilitation ist Handwerk.

Die Facilitation Haltung
Moderation und damit Facilitation bedarf einer speziellen Grundhaltung, die in dem Text, den die Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela in ihrem Buch Der Baum der Erkenntnis am Beispiel eines Konflikts formuliert haben, treffend skizziert ist:
„Wenn wir wissen, dass unsere Welt notwendig eine Welt ist, die wir zusammen mit anderen hervorbringen, dann können wir im Falle eines Konflikts mit einem anderen menschlichen Wesen, mit dem wir weiterhin koexistieren wollen, nicht auf dem beharren, was für uns gewiß ist (auf einer absoluten Wahrheit), weil das die andere Person negieren würde. Wollen wir mit der anderen Person koexistieren, müssen wir sehen, dass ihre Gewißheit – so wenig wünschenswert sie uns auch erscheinen mag – genauso legitim und gültig ist, wie unsere (…). Die einzige Chance für die Koexistenz ist also die Suche nach einer umfassenden Perspektive, einem Existenzbereich, in dem beide Parteien in der Hervorbringung einer gemeinsamen Welt zusammenfinden.“ Sie nennen dabei die Liebe (im Sinne der Annahme des anderen) die Grundlage des sozialen Lebens.
Diese Gedanken stehen – auf den ersten Blick – unserem „normalen (Berufs)leben“ diametral entgegen. Wir sind zu Konkurrenz erzogen, auf Wettbewerb gepoolt. Gefragt ist „recht haben“ oder zumindest „recht bekommen“. Nullsummenspiele (ein Begriff aus der Spieltheorie) bestimmen den Alltag. Was der eine gewinnt, verliert der andere. Wir erzeugen aktiv Gewinner und Verlierer und glauben, das müsse so sein, weil ja schließlich nur einer „recht haben“ kann.
Und genau hier entfaltet die Haltung des Facilitators ihre Wirkung und ihre Kraft. Ausgehend vom Gesagten, lassen sich folgende drei wesentliche Bezugspunkte postulieren.
3 pragmatische Axiome der Facilitator Haltung
- Soziale Wirklichkeit ist immer ein individuelles Konstrukt.
- Jeder hat (soweit er nicht bewusst täuscht) recht, keiner hat „rechter“ als ein anderer.
- Es ist möglich und wesentlich Un-einigkeit als Basis für Kooperation zu nutzen.
Die ersten beiden Axiome bilden die gedankliche Basis für das dritte Axiom. Besteht relevante Uneinigkeit, gibt es also unterschiedliche Sichtweisen auf wesentliche Punkte, besteht der erste methodische Schritt darin, die Beteiligten einzuladen, sich zu „zweinigen“ (ein Begriff, den Vera F. Birkenbihl geprägt hat), sich also darauf zu verständigen, dass man sich in bestimmten Punkten nicht einig ist– also „agree to differ“. Oder um es mit Bert Hellinger zu sagen, anzuerkennen, was ist. Es geht darum, den Erlauber zu setzen, sich nicht einig sein zu müssen und von diesem Punkt aus kooperativ weiterzudenken…
Nur wer diese Gedanken zu den seinen machen kann, wer Wirklichkeit als subjektives Konstrukt begreift, kann aus dieser Haltung heraus allparteilich sein und moderierend vermitteln.
Das Facilitation Handwerk
Eine der Hauptaufgaben von Facilitation ist die Komplexitätsreduktion. Diese kann nur durch Struktur gelingen, durch die Anleitung für Dialog und die Erleichterung echter Begegnung. Dafür bedarf es solider Moderationstechnik und bewährter Kommunikationsmethoden.
Struktur entsteht durch Designs und Methoden im, für die jeweilige Aufgabenstellung und Zieldefinition, passenden Setting.
Das klassische Portfolio ist im Buch „SixSteps Facilitation“ systematisch zusammengestellt.
© Josef W. Seifert, 2026
